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10. August 2020

Krise und Transformation: Diät statt Ernährungsplan?

Allgemein

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Viele Unternehmer*innen erwarten eine V-Kurve in der Krise und warten die Rückkehr zur alten Normalität ab. Die Mehrheit der Expert*innen rechnet jedoch mit einer U-Kurve. Die Corona-Krise werde uns also noch länger beschäftigen. Gerade deshalb ist Transformation enorm wichtig, um auch zukünftigen Krisen zu begegnen. Das Prinzip „Augen zu und durch“ hilft da nicht.

Zu welcher Form der Normalität wollen wir zurückkehren, wenn die Corona-Krise überstanden ist? In diesen Zeiten des akuten Krisenmanagements und Kostensparens werden die Kapazitäten eher heruntergefahren als erweitert. Diejenigen, die erwarten, dass die Krise bald überstanden ist und alles wieder normal wird, denken tendenziell nicht an Transformation und Weiterentwicklung des Unternehmens. Die Diskussion um New Work erscheint angesichts dieser abwartenden Haltung als realitätsferner Luxus der Personaler.

Sind für viele Unternehmen also partielles Home-Office und Videokonferenz das höchste aller Gefühle bezüglich Digitalisierung? Bleiben wir beim sogenannten „New Normal“ stehen?

Obwohl viele Autor*innen dazu raten, die Transformation und New Management voranzutreiben, sieht es momentan danach aus, als ob viele zum Old Management zurückkehren.

Die Anhänger der V-Kurve glauben, dass eine exogen verursachte Krise ohne Eigenverschulden der Unternehmen schnell kommt und auch dementsprechend rasch wieder verschwindet. Ist die Krise einmal überstanden, nehme die Wirtschaft wieder an Fahrt auf. So das Credo.

Die Erfahrung zeichnet allerdings ein anderes Bild. Die bereits bestehenden zahlreiche Insolvenzen und Überlebenskämpfe von Unternehmen sprechen gegen einen solchen untätigen Optimismus.

Was raten Expert*innen?

Die Expert*innen in der Wirtschaft sind sich weitestgehend einig, dass eine weitere Insolvenzwelle im Herbst auf uns zu rollen wird. Die Krise sei längst nicht vorbei. Auch die staatlichen Maßnahmen helfen bestenfalls kurz, die notwendigen strukturellen Veränderungen können sie nicht voranbringen. Zwar traf und trifft die Corona-Pandemie Unternehmen unerwartet, doch ein weiteres Festhalten an alten Strategien, Führungskonzepten und Geschäftsmodellen sind selbstverschuldete Versäumnisse im harten globalen Wettbewerb.

Sobald der Geldfluss stockt, werden Kapazitäten zurückgefahren, Kostenanpassungsmaßnahmen durchgeführt und Personal entlassen. Die Krise zeigt die strukturellen Mängel auf, die schon vor Covid-19 bestanden. Im Turnaround herrschen Insolvenzpläne mit nackten Zahlen, um Ausgaben zu verschlanken: Diäten statt Ernährungspläne werden verordnet.

Deshalb Transformation

Wichtig ist jedoch: Innovationen herauszögern bringt nichts. Hierfür liefert nicht nur die Automobilindustrie ein anschauliches Beispiel. Gesellschaftlicher Wandel lässt sich nicht aufhalten und somit werden neue Geschäftsmodelle essenziell. Handeln statt Hoffen ist angesagt. Kapazitätsanpassungen sind notwendig, dürfen jedoch einen vernünftigen Zukunftsplan mit neuen Kunden, Produkten, Prozessen nicht ausschließen. Ohne eine Anpassung der Führung und der Strategie an die Anforderungen eines komplexen Geschäftsumfelds wird spätestens die nächste Krise das Ende für viele Unternehmen bedeuten.

 

 

 

Bildquelle: Pixabay

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